Die Finnen saufen wie die Blöden. Das ist das einzige, was ich nach einer Woche Finnland sicher sagen kann.
Don’t drink too much…
Das es nicht billig ist, sich in Skandinavien zu besaufen, wusste ich ja schon vorher. Aber als dann das erste Bier in einer Kneipe sechs Euro kam (wie Axel sagen würde), war ich trotzdem ein bisschen überrascht . Zum Glück eine Ausnahme, denn wie ich später erfuhr, soll Jyväskylä für sein billiges Bier und die billigen Pizzen bekannt sein. Na ja, vier Euro muss man trotzdem noch für ein Bier hinlegen.
Don’t talk to me…
Nach meinen ersten Erfahrungen mit dem finnischen Alkoholkonsum am Mittwoch, konnte ich am Tag danach erstmals feststellen, welche Dilettanten die Deutschen eigentlich im Bier trinken sind. Also, Axel und ich auf einer „Kennenlern“-Party der neuen Studenten in der Hochschule. Und eigentlich war es genau so, wie man sich eine „Kennenlern“-Party vorstellt: Die meisten Leute sitzen gelangweilt rum, weil sie in einer solchen „gezwungenen“ Atmosphäre wahrscheinlich keine Lust auf Smalltalk haben. Gewissermaßen eine Sitzparty.
Don’t try that at home…
Als Austausch-Student muss man natürlich alles mitnehmen! Also sind wir natürlich bei den“Kennenlern“-Spielchen gleich mit von der Partie. Dass es sich dabei um Saufspiele handelt, konnte ja bei einer Uni-Veranstaltung keiner ausgehen. Das Spiel kurz erklärt: Drei Stuhlreihen werden hintereinander aufgestellt. Wer in der dritten sitzt, muss sein Flasche Bier ausdrinken, sie umdrehen und sie dem Vordermann auf den Kopf stellen, damit er zu drinken beginnen kann. Gewonnen hat das Team, das ihre drei Flaschen Bier am schnellsten geleert hat. „Gar kein Problem“ dacht ich mir. Die direkten Konkurrentinnen von Axel waren schließlich zwei Mädels… Na ja, letztenlich waren die Mädels doppelt so schnell wie Axel (der hinter mir saß) und mein Bier war noch halb voll, als die anderen schon alle drei Flaschen runtergekippt hatten…
„Ich komme…“
Die Stimmung der Party profitierte auf jeden Fall vom Trinkspiel. Und wenn die Finnen mal in Stimmung sind, rücken sie auch langsam damit raus, dass sie ein paar Brocken Deutsch können und sich ziemlich gut in der deutschen Pornoindustrie auskennen. Was eine Leserhose ist, wissen alle Finnen. „Ich habe eine große Wurst in meiner Lederhose“ und „ich komme, ich komme…“ sind die Lieblingssätze von Antti. „Mein Schwanz ist so groß wie ein Panzerwagen“, stammt von einem Mädel. Die Finnen sind schon ein lustiges Völkchen!
Good singing there…
Karaoke, das scheint hier in Finnland ein Nationalsport zu sein. Vor allem wenn der Alkoholpegel stimmt, greift jeder Mal zum Mikrofon. Dabei ist es dann ganz egal, ob man vom vielen Alkohol noch stehen kann. Den Anwesenden scheint’s zu gefallen. Vom 20-jährigen Proll bis zum 50-jährigen Hausfrau, hier grölt jeder mit. Wir Deutschen stehen mittendrin und können die Finnen nicht verstehen, geschweige denn die finnischen Songs. Um die finnischen Kultur aufzusaugen, probierten wir’s natürlich auch mal. Leider mussten wir dabei auf englischen Lieder zurückgreifen, was vielleicht den geringen Anklang beim Publikum erklären dürfte.
Jaloviina…
Um mit dem Finnen beim Alkoholkonsum mithalten zu können, müssen wir noch ein bisschen üben. Aber wenn wir ehrlich sind, wollen wir das auch nicht wirklich. Denn viele Finnen richten sich hier mit dem Alkohol richtig zu Grunde. Auf jeden Fall haben wir schon den Jaloviina, den finnischen Volksschnaps probiert. Gar nicht mal so schlecht, nur ein bisschen stark für uns Deutsche.